EinRadler
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Aus der Großen Steinstraße kommend erwartet das Steintor den Radfahrer (nach einem Engpass) mit einem Schutzstreifen. Dieser schützt vielleicht irgendwas, aber auf keinen Fall die Radfahrer, sondern gefährdet ganz massiv die korrekt geradeaus Fahrenden und leitet den Kraftfahrverkehr geradezu in den Radfahrer. Fazit: Böse Falle!

Update 2017-10-26

Die Stadtverwaltung hat von sich aus diese Stelle noch mal auf die Tagesordnung gebracht und am Runden Tisch Radverkehr mehrere Verbesserungsvorschläge unterbreitet. Für mich kam das überraschend, denn vorher wurde von einzelnen Teilnehmern eine Haltung polterig ausgestrahlte, die sinngemäß lautet "Das ist halt so, die Radfahrer müssen die StVO kennen und dann weiß man, wie man sich einordnen muss!".

Drei Varianten für ein Schild wurden vorgestellt, mit dem eine Spuraufteilung für die Radfahrer symbolisiert werden kann. Der anwesende Vertreter der Polizei war sehr deutlich gegen Markierungen auf dem Asphalt, weil diese nach einer Weile durch Verwitterung zu großer Verwirrung führen kann (dass dann Autos geradeaus fahren). Insgesamt heftige Diskussion mit sehr unterschiedlichen Meinungen grade bei den Radfahrern. Dieser Kreuzungspunkt ist nicht so einfach, er ist technisch gar kein Kreuzungspunkt.

Fazit: die manchmal ausgestrahlte offene Ablehnung ist genauso wenig endgültig wie ein teilweise ausgestrahltes "ja, machen wir in Kürze", dass dann auch mal zwei Jahre dauern kann. Es bleibt an dieser Stelle spannend.

Schutzstreifen Irgendwie müssen aus der Ludwig-Stur-Straße große Verkehrsmassen erwartet werden. In der Großen Steinstraße traut man dem Radfahrer noch sehr gut zu, sich mit den Autos und der Straßenbahn (und zusätzlich noch den häufig am rechten Fahrbahnrand stehenden Autos) zu vertragen. Aber ab dem Steintor sollen in der selben Straße die Automassen plötzlich so zahlreich über uns herfallen, dass wir auf jeden Fall einen Schutzstreifen brauchen.

Wir wissen zwar noch nicht genau, wie wir da draufkommen sollen (und aus der Mitte enspringt ein ... - ähm, nicht Fluss, sondern Schutzstreifen): Ursprung

Aber das ist noch das kleinste Problem.

Wenn die Autofahrer einfach nach rechts fahren und gar nicht geradeaus wollen, interessiert sie in dem Schilderwald in der rechten oberen Ecke des nächsten Bildes gar nicht, wer alles noch nach rechts fahren muss und wer nicht. Die Fahrbahn geht nur nach rechts, und das wird durch den "Schutzstreifen" auf der Fahrbahn auch noch ganz klar und deutlich unterstützt. Noch überzeugender kann man dem Autofahrer nicht signalisieren, dass jetzt wirklich alles außer der Straßenbahn nach rechts abbiegt, was Räder hat.

Schilder

Das Problem ist nur: der Schutzstreifen ist eine Falle für beide, den Autofahrer und den Radfahrer. Der Radfahrer kann geradeaus fahren, und muss sich dazu auch nicht vorher überholen lassen, sondern nur die von rechts kommenden Autos haben Vorfahrt. Gäbe es keinen Schutzstreifen, wäre alles ganz einfach. Die Geradeausfahrer ordnen sich mittig ein und warten, bis sie durchkommen, und die Rechtsabbieger ordnen sich rechts ein und fahren einfach rum.

Aber mit dem Schutzstreifen wird es schwierig. Möglichst vor einer geschlossenen Autokolonne muss man rechtzeitig den Absprung aus dem Schutzstreifen schaffen (was auch einen gewissen rechtlichen Mut verlangt, da ein Schutzstreifen ziemlich benutzungspflichtig ist), sich mittig einordnen, und dann eine möglichst breite Schulter und Stoizismus demonstrieren, während man die Autos von rechts durchlässt, die Autos von hinten bestmöglich davon abhält, einen umzufahren und immer ganz genau abschätzt, wann doch einer von hinten nicht anhalten will (zum Beispiel ein Laster, da gilt nicht die Devise: der will nur spielen!) und man sich ganz schnell zur Verkehrsinsel retten sollte. Die zwei Räder vom Titelbild hatten Rückendeckung von der Straßenbahn, die auch gleich noch die Fahrzeuge von rechts mit ihrem Ampelvorrang festhält. Ohne Bahn hätten sie nicht so weit vorn ausscheren dürfen, sondern schon eher den "Rechtsabbiegerstreifen" verlassen. Mit Bahn wiederum muss man auf dem Schutzstreifen bleiben, weil man sonst im Bahnbereich fährt.

Also eigentlich ein spannendes Spiel, was uns im Jahr 2017 die Baubehörden so aufgebaut haben. Ich habe nur noch nicht die Überwachungskamera gefunden, die den aktuellen Spielstand in die entsprechenden Büros überträgt, aber ich kann mir gut vorstellen, wie die Zuschauer gespannt dasitzen. "Die hat keine Nerven, die streigt ab, bestimmt! Oh - doch noch in letzter Sekunde rübergezogen! Da, der blaue Fiat ist nicht von hier, der erwischt bestimmt einen!". Oder so ähnlich.

Wann soll eigentlich so ein Schutzstreifen genau eingerichtet werden? Ich zitiere mal aus dem Verkehrslexikon.

Sie können eingerichtet werden, wenn

  • eine Trennung vom übrigen Fahrzeugverkehr durch Kennzeichnung einer Radwegebenutzungspflicht erforderlich wäre, die Anlage eines entsprechenden Sonderweges (Radweg, Radfahrstreifen) nicht möglich ist, oder
  • zwar eine Trennung vom übrigen Fahrzeugverkehr nicht zwingend erforderlich wäre, dem Radverkehr aber wegen der nicht nur geringen Verkehrsbelastung (5.000 Kfz innerhalb von 24 Stunden) ein besonderer Schonraum geboten werden soll, oder
  • es in Anbetracht der Breite der Fahrbahn, die Verkehrsbelastung (regelmäßig bis zu 10.000 Kfz innerhalb von 24 Stunden) und die Art des Verkehrs (in der Regel der Anteil des Schwerverkehrs am Gesamtverkehr unter 5 % bzw. unter 500 Lkw innerhalb von 24 Stunden) grundsätzlich zulässig ist. [...] Es muss bei beidseitigen Schutzstreifen eine Fahrbahnbreite von mindestens 7 m und weniger als 8,50 m übrig bleiben.

Die Breite des Schutzstreifens beträgt mindestens 1,25 m und höchstens 1,60 m.

Die Breite der restlichen Fahrbahn muss mindestens 4,50 m, höchstens 5,50 m betragen.

Vermutung: den Streifen bekommt man per Widerspruch (und sehr wahrscheinlich anschließendem Rechtsweg) weg.

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Aus der Großen Steinstraße kommend erwartet das Steintor den Radfahrer (nach einem Engpass) mit einem Schutzstreifen. Dieser schützt vielleicht irgendwas, aber auf keinen Fall die Radfahrer, sondern gefährdet ganz massiv die korrekt geradeaus Fahrenden und leitet den Kraftfahrverkehr geradezu in den Radfahrer. Fazit: Böse Falle!