EinRadler

Verkehrssicherheit oder Verkehrsfluss?

Pressemitteilung der Initiative Halle-Verkehr(t), Halle/Saale, 03.07.2018

Die Trothaer Straße ist verkehrsreich und muss alle Wege unterbringen: Fußwege, Radwege, Fahrbahnen und Straßenbahngleise. An mehreren Stellen ist sie zu eng für die bisherige Aufteilung. Hinter der Ampelkreuzung Pfarrstraße ragt die Bordkante in den Radweg hinein. An derselben Stelle kommen LKW nur durch die Kurve, wenn sie entweder links auf die Überholspur oder rechts auf den Radweg fahren. Man sieht das deutlich, wenn man sich an einem Wochentag früh an die Ampel stellt: die LKW fahren direkt auf den Fahrradstreifen, obwohl der dort sehr schmal ist.

Wenn sich Fahrrad und LKW zu nahe kommen, besteht Lebensgefahr für die Radfahrer. Zum Glück ist in den letzten Jahren dort kein polizeibekannter Unfall passiert. Aber immer darauf zu vertrauen, dass erfahrene Radfahrer mit einem LKW auf ihrem schmalen Radweg rechnen, und immer auf geduldig wartende LKW zu hoffen, ist ein Spiel mit dem Feuer.

Die Stadtverwaltung brauchte erst einen offiziellen Antrag, um die Stelle zu prüfen und festzustellen, dass sie zu eng ist. Das ist beunruhigend. Die Reifenspuren und 15 Minuten Anschauung zeigen auch dem Laien, dass an dieser Stelle etwas nicht passt.

Seit November 2017 ist aktenkundig bestätigt, dass dort Mindestabstände und Schleppkurven ein deutliches Problem sind. Noch länger liegt der Stadt ein Lösungsvorschlag vor: Verlängerung der Einspurigkeit, die bis kurz vor der Straßenbahnhaltestelle besteht. Dann ist in dieser Fahrtrichtung ausreichend Platz, das ist eine sichere Lösung mit vertretbarem Aufwand.

Es gibt einen Haken daran: es passen weniger Autos über die Kreuzung. Der normale Berufsverkehr passt nach Berechnungen der Verwaltung trotzdem durch, aber bei Überlast würde sich ein Stau auf dem Gleisbett der Straßenbahn bilden und diese blockieren. Das will niemand, aber mit kleinen Änderungen an einer vorhergehenden Ampelkreuzung kann man auch das abwenden (Stichwort Pförtnerampel). Trotzdem wurde dieser Vorschlag mehrfach sehr deutlich abgelehnt und großer Arbeitsaufwand in die Suche nach anderen Varianten gesteckt.

Eine Reserve für Überlastungssituationen ist ganz nett, aber die Sicherheit des Verkehrs muss auch den Stadtplanern wichtiger sein. Vielleicht spielen die Kämpfe um die Vierspurigkeit der Merseburger Straße eine Rolle, vielleicht eigene Vorlieben der Verwalter.

Wichtig ist, dass jetzt endlich eine pragmatische Lösung für das Problem umgesetzt wird! Und zu hoffen bleibt, dass für die vielen anderen Problemzonen im halleschen Straßenverkehr ein Weg gefunden wird, diese mit geringerem Aufwand zu bearbeiten.

Fotos: gemeinfrei bei kurzer Nennung von Halle-Verkehrt als Quelle.

Radweg LKW vorn LKW hinten

Gefahrenstelle Trothaer Straße: Hintergrund

An der Trothaer Straße stadteinwärts direkt hinter der Ampelkreuzung Pfarrstraße befindet sich eine Engstelle, wo Schwerlastverkehr nicht in seiner Spur bleiben kann. Durch die Kurve hinter der Straßenbahnhaltestelle schwenken lange Fahrzeuge entweder nach links auf die benachbarte Fahrspur oder nach rechts aus. Wenn die linke Spur besetzt ist, müssen die LKW nach rechts auf den Radfahrstreifen ausweichen. Das sieht man auch deutlich an den Reifenspuren auf dem Radfahrstreifen. Der Radfahrstreifen ist an dieser Stelle sehr schmal und durch eine Bordkante nach rechts begrenzt, ein Ausweichen ist nicht möglich.

Nach einem Hinweis auf diese Probleme an Halle-Verkehrt von betroffenen Radfahrern und einer anschließenden kurzen Begutachtung vor Ort wurde am 27.8.2017 ein formeller Antrag an die Stadtverwaltung auf die Behebung der Gefahrenstelle gestellt. Daraufhin wurden die Schleppkurven durch die zuständigen Behörden (Fachbereich Planen, Abteilung 61.4) geprüft und die Unterschreitung des Bewegungsraums sogar unter das Mindestmaß von 25 Zentimeter bereits bei geringer Geschwindigkeit festgestellt (aktenkundig, 9.11.2017).

Wenn die LKW regulär den Radfahrstreifen befahren müssen, entstehen immer wieder gefährliche Situationen. Mehrere Radfahrer haben bereits berichtet, dass sie sich nur durch ein Abspringen nach rechts über die Bordkante vor einem LKW retten konnten, was auch zu Stürzen geführt hat. Bereits mit wenigen Minuten Beobachtung im morgendlichen Berufsverkehr sieht man das Problem sehr deutlich. Der Trend zu immer größeren und auch breiteren PKW (SUV) verschärft es zusätzlich.

Unfälle zwischen LKW und Fahrrad sind oft tödlich oder mindestens mit sehr schweren Verletzungen verbunden. Glücklicherweise gab es an dieser Stelle in den letzten Jahren keine schweren Fahrradunfälle.

Der empfohlene Lösungsvorschlag im Antrag auf die Behebung der Gefahrenstelle besteht in der Fortführung der aktuell bis kurz vor der Haltestelle (Kreuzung Saalestraße) geltenden Einspurigkeit. Die Stadtverwaltung hat diesen Vorschlag bereits nach der formlosen Anregung am Runden Tisch Radverkehr geprüft, aber verworfen: Bei hoher Belastung (über der normalen Spitzenstunde) könnte sich ein Rückstau im Gleisbereich der Straßenbahn bilden, der erhebliche Einschränkungen im Netz der HAVAG verursacht.

Die Suche nach alternativen Lösungen hat sehr zum Bedauern der Initiative Halle-Verkehr(t) hohen Arbeitsaufwand bei verschiedenen Abteilungen der Stadtverwaltung verursacht. Das war in dieser Detailtiefe weder beabsichtigt noch notwendig. Die Begründung, mit der eine Einspurigkeit abgelehnt wird, ist unverständlich. Staus auf dem Gleisbett der Straßenbahn sollen natürlich vermieden werden. Staus entstehen dort aber nur, wenn in den Bereich mehr Fahrzeuge einfahren, als die Ampel an der Pfarrstraße durchlassen kann. Die Einfahrt regelt die nördliche Ampelanlage an der Kreuzung Oppiner Straße/Trothaer Straße.

Reduziert man an dieser Ampel die sehr langen Wartezeiten der Fußgänger über die Fahrspur stadteinwärts und stellt auf etwas kürzere Fahrzeiten für den Autoverkehr um, kann man den Zufluss in den einspurigen Gleisbereich regulieren und es bildet sich kein Stau auf den Gleisen. Bei außergewöhnlich hohem Verkehrsaufkommen (also über der normalen Spitzenstunde des Berufsverkehrs) staut sich der Verkehr dann im nördlichen Bereich der Trothaer Straße, wo keine Straßenbahn betroffen ist. Der einzige Unterschied zum heutigen Zustand ist eine leichte Verringerung des maximalen Durchflusses, der den normalen Berufsverkehr aber nicht beeinträchtigt.

Die bevorzugten Variante der Stadtverwaltung liegt in einer zeitlichen Trennung der Grünphasen, verbunden mit erheblich längeren Wartezeiten für den Radverkehr, an der Ampelanlage Trothaer Straße / Pfarrstraße. Diese wäre im Vergleich zur Einspurigkeit eine rechtlich fragwürdige (und rechtlich zu prüfende) Benachteiligung des Radverkehrs ohne triftigen Grund.

Fazit

Unsere bevorzugte Variante bleibt die Umstellung auf Einspurigkeit, verbunden mit einer reduzierten Wartezeit der Fußgänger an der Kreuzung Trothaer/Oppiner Straße und einem geringfügig geringeren Durchsatz.