Tretkurbelist
Hafenstraße mit parkenden Autos Gehweg

In der letzten Zeit gab es in Halle offenbar gleich mehrere gewaltsame Taten gegen falsch parkende Fahrzeuge. So stach ein Mann in der Hafenstraße die Reifen von drei Autos kaputt. Er rächte sich offenbar für das Zuparken von Straße und Fußweg. Weil durch den gegenwärtigen Straßenneubau keinerlei Parkmöglichkeiten vorhanden sind, parken die Autos im mehrfach ausgewiesenen Park- und Halteverbot. Einige parken voll auf der Straße und andere voll auf dem Gehweg. Durch diese wilde Aufstellung kann man weder per Auto noch als Fußgänger und schon gar nicht als Fahrradfahrer ohne Behinderung am Verkehr teilnehmen. Zwei Tage lang hielt der Schock bei den Parkenden an, jetzt füllt sich die nicht gestattete Fläche allmählich wieder mit Autos.

Wir möchten uns mit diesem Artikel ganz deutlich von solchen Vorkommnissen distanzieren. Die Beschädigung von Eigentum anderer ist Tabu. Einerseits sollte gerade in einer solchen Extremsituation gegenseitiges Verständnis möglich sein, andererseits sind solche Gewaltakte zu verurteilen.

Hafenstraße mit parkenden Autos Straße

Das Beispiel zeigt aber überdeutlich: Wo der Staat sein Machtmonopol nicht mehr ausfüllt und sich zurückzieht, entstehen neue Formen der Regulierung oder Selbstjustiz. Denn nur weil Staat und Stadt die Augen vor den Problemen verschließen, verschwinden die Konflikte leider nicht einfach. Der breite Personalabbau im öffentlichen Dienst und die Veränderung von Zuständigkeiten bei der Polizei schafft ein Vakuum bei der Herstellung öffentlicher Ordnung. Politiker reden heute viel und gern über mehr innere Sicherheit. Dabei haben Sie Terrorismus und ähnliche fürchterliche Dinge im Sinn. Jede einzelne Tat ist schrecklich und für die Betroffenen Quelle unendlichen Leids. Ich persönlich fürchte mich aber trotzdem nicht wirklich vor einem terroristischen Anschlag. Dafür erlebe ich allerdings fast wöchentlich Situationen im hallischen Stadtverkehr, die mein Leben ganz real gefährden. Dabei bin ich sicherlich ein sehr vorsichtiger Radfahrer. 3.206 Verkehrsteilnehmer starben im vergangenen Jahr 2016. Zwischen Januar und September 2017 ereigneten sich 1,9 Mio. Verkehrsunfälle in Deutschland. Das Risiko eines terroristischen Anschlags ist dagegen fast marginal.

Bei einer Razzia gegen 16 Islamisten waren im Februar 2017 in Hessen bspw. 1.100 Polizeibeamte unterwegs: Also fast 69 Beamte auf einen Verdächtigen. Zu Verkehrsunfällen, Fahrraddiebstahl oder Hauseinbruch kommt die Polizei heute nicht mal mehr unbedingt zum Ort des Geschehens. Das sind Bagatellfälle, welche doch eigentlich nur die Versicherungen interessieren, hört man oft. Falschparken und verkehrswidriges Verhalten ist etwas, was da schon gar nicht mehr auf dem Plan steht. Solche Dinge kann die Polizei aufgrund der beschriebenen Umstände nicht mehr managen oder fühlt sich im Fall des ruhenden Verkehrs auch gar nicht mehr dafür verantwortlich. Damit entsteht im Straßenverkehr ein Raum, in dem immer mehr Wildwuchs gedeiht. Jeder verhält sich so, wie er das für richtig hält. Regeln existieren oft nur noch auf dem Papier. Wo die Verständigung zwischen VerkehrsteilnehmerInnen nicht möglich ist, fängt die gewaltsame Auseinandersetzung an. Es ist höchste Zeit, dass der Staat an dieser Stelle wieder sein Gewaltmonopol ernst nimmt und wir nicht in die Zeiten des Wilden Westens zurückkehren! /Tretkurbelist

EinRadler
Cover Image

Aktualisierung 10.12.: Neues Ghostbike

Das weiße Fahrrad zur Erinnerung an den tödlichen Unfall war im November zerstört worden, jetzt steht ein neues Rad zur Mahnung und zum Gedenken dort. Danke an Heiko für die Meldung!

neues Ghostbike

Die Kreuzung verbindet die Dölauer Straße, den Brandbergweg und die Nordstraße. Karte

Der Radverkehr von und nach Heide-Nord, Lettin und Dölau läuft zum großen Teil über diese Kreuzung.

Die Fahrbahn der Nordstraße in Richtung Dölau an der Unfallstelle ist einspurig und mit einer durchgezogenen weißen Linie vom Gegenverkehr abgetrennt. Das Überholen eines Fahrrades ist nach der Kreuzung nicht möglich, ohne verbotenerweise den weißen Streifen zu überfahren und weit in die Gegenspur oder gefährlich nah am Radfahrer vorbeizufahren.

Hier gab es am 30.6.2017 einen tödlichen Unfall zwischen LKW und einer Radfahrerin. Zum Unfall selbst ist noch vieles unklar oder nicht öffentlich. Im MZ-Artikel zu dieser Seite und im TV-Halle- Beitrag vom 6.11.2017 entstand der falsche Eindruck, dass der Unfall durch das frühe Ende des kurzen schmalen Radwegs auf der Ostseite verursacht wurde. Das ist natürlich falsch. Wer diesen Radweg benutzt, wird erst 35 Meter später zur Fahrbahn geführt, ist dort nachrangig und muss alle Autos durchlassen.