Kurzfassung der Ziele

  • Hindernisse und Gefahrenstellen dokumentieren
  • Gefahrenstellen beseitigen, Zahl der Unfälle verringern
  • mehr Platz für Fuß- und Radverkehr erstreiten
  • weitere Straßen auf Tempo 30 umstellen
  • schlechte Radwege freiwillig machen, gute Radwege brauchen keine Benutzungspflicht
  • Winterräumung der Radwege an großen Hauptstraßen und an Gefahrenstellen
  • Anlaufpunkt für Ideensammlung und Aktionen werden
  • Radverkehrsanteil verdoppeln

Grundsätzliches

  • Politiker können den Flächenkonflikt zwischen den Verkehrsträgern nicht allein ausfechten, sie brauchen Unterstützung der Bürger! Video mit Heinrich Strößenreuther,
  • Radwege

Langfassung

Die hallesche Verkehrspolitik steht vor dem Problem, auf den vorgegebenen relativ engen Straßen die verschiedenen Verkehrsträger unterbringen zu müssen. Dabei kollidieren die Ziele:

  1. Die Straßenbahn soll ein eigenes Gleisbett haben (auch als Folge der Erfahrungen mit ständigen Staus und Falschparkern in den 1990er Jahren, die die Straßenbahn massiv behindert haben)
  2. viele Parkplätze sollen bereitgestellt werden (was Anwohnern und Anliegern wichtig ist)
  3. ein schnelles Vorankommen des motorisierten Individualverkehrs erreicht werden
  4. die Mindestanforderungen des Rad- und Fußverkehrs sollen eingehalten werden

Durch den unvermeidlichen großen Platzbedarf von Schiene und Auto werden Fußgänger und Radfahrer buchstäblich an den Rand gequetscht.

Straßen wie die Ludwig-Wucherer-Straße, die Reilstraße oder die Bernburger sind aber längst kein reiner Verkehrsraum mehr (wenn sie es je waren), sondern Stadtraum, Lebensraum. Als Fußgänger will ich vor dem Edeka auch mal ein paar Minuten stehen bleiben und plaudern können, wenn ich nach dem Einkauf jemanden treffe, ohne dass zwei Personen schon den kompletten Fußweg blockieren. Cafés und Restaurants wie das Alte Postamt oder die Weinstuben in der Bernburger sind Bereicherungen, und keine Verkehrshindernisse.

Wichtigstes Ziel dieser Seite ist die Rückeroberung von Straßenraum für Fußgänger und Radfahrer.

Wenn die Parkplätze unverzichtbar sind, kann man auch Tempo 30 und einen langsamen Mischverkehr von Radfahrern und Autos hinnehmen. Wenn Tempo 50 unverzichtbar ist, müssen Parkplätze weichen.

Politische Einflussnahme für die Fußgänger und Radfahrer wurde seit der Wende auf verschiedenen Wegen versucht, es gibt sogar beachtliche und immer wieder ignorierte Stadtratsbeschlüsse zu Klimaschutz und Radverkehr.

Wenn man sich die rechtlichen Rahmenbedingungen der StVO, besonders aber die Novellen von 1997 (Radfahrer) und 2009 (Fußgänger) anschaut, bestehen in Halle an vielen Stellen bereits rechtlich sehr fragwürdige Zustände. Besonders ärgerlich ist, dass auch bei grundlegenden, aufwändigen und die nächsten 50 Jahre bestehenden Sanierungen wie dem Steintor die Radwege nur einen absoluten Mindeststandard erhalten, gewürzt mit kleinen vorsätzlichen Schikanen. 1,30m sind die asphaltierten Wege breit, 1,60m wird daraus mit Randstreifen hochgerechnet, aber gemäß hier zuständiger Regelwerke sind 1,60m ein Mindestmaß für wenig befahrene Wege und 2m das Normalmaß.

Aber auch in überwiegenden Verkehrsstraßen wie der Trothaer Straße und der Merseburger Straße darf die Stadt nicht einfach lebensgefährliche rechtswidrige Zustände hinnehmen, nur um schnellen fließenden motorisierten Individualverkehr zu erreichen.

Im Winter wird auch in Halle viel Fahrrad gefahren. Sicher weniger als bei schönem Wetter, aber Halle ist einfach aufgrund seiner Entfernungen und seiner Enge eine perfekte Fahrradstadt, und andere Verkehrsmittel brauchen länger und sind weniger flexibel. Winterräumung von Radwegen ist aber in Halle sowohl finanziell als auch technisch absolut unverrückbar unmöglich (Zitat: da muss ja der Schnee hin). Vorschlag der Stadt: Straßenbahn fahren, also ein faktisches Winterfahrverbot für das Fahrrad.

Bei verschneiten Radwegen muss man absteigen und schieben oder darf ganz legal die Fahrbahn benutzen. Das ist dem halleschen Autofahrer leider gar nicht beizubringen, im Gegenteil greifen viele Autofahrer zur Selbstjustiz, fahren dicht auf und hupen, überholen unmöglich und drängen einen "aus pädagogischen Gründen" ab in den Schnee.

Jede dieser Aktionen müsste man mit einer Anzeige versehe. Pädagogische Strafaktionen haben im Straßenverkehr nichts zu suchen, selbst wenn ich falsch auf der Fahrbahn fahre. Sie sind Nötigung und Gefährdung des Straßenverkehrs. Und ganz absurd werden sie, wenn ich rechtmäßig auf der Fahrbahn fahre.

Auf solchen Straßen muss dann wenigstens ein Schild "Achtung, Fahrradfahrer" angebracht werden, bis die Autofahrer es begriffen haben. O-Ton eines leitenden Mitarbeiters des Ordnungsamts dazu: Die Autofahrer kennen die StVO, da sie im Gegensatz zu den Radfahrern einen Führerschein gemacht haben. Wie viele der halleschen Autofahrer, deren Führerschein von vor 1997 ist (ich schätze grob, das sind 50%), seitdem intensiv die Novellen bezüglich des Radverkehrs studiert haben, ist offenbar uninteressant, genau so wie die Beispiele von Autofahrern, die sich ganz überzeugt im Recht fühlen mit ihren falschen Ansichten.

Andere Straßen sind einfach viel zu gefährlich, um auf der Fahrbahn zu fahren, also muss dort der Radweg geräumt werden. Notfalls muss das gerichtlich geklärt werden.